FORL | Geißel der Katzen

Submitted by Sebastian on Sun, 05/03/2020 - 15:18
FORL | Geißel der Katzen

Heute geht es um FORL, früher auch Katzenkaries genannt, einer sehr schmerzhaften Zahnerkrankung von der leider auch Maja nicht verschont blieb. Welche Ursachen FORL hat, wie ihr es erkennt und was ihr tun könnt, wenn einer eurer Vierbeiner betroffen ist, erfahrt ihr heute.

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Was ist den FORL überhaupt?

FORL bedeutet Feline ondotoklastische Resorptivläsionen. Hierbei werden körpereigene Zahnabbau-Zellen aus noch ungeklärten Ursachen reaktiviert, die Odontoklasten, die Zahnfresser. In der Zeit des Zahnwechsels, mit etwa 4 bis 6 Monaten, bilden sich die zweiten bleibenden Zähne.

Die Odontoklasten sind dafür zuständig die Wurzeln der Milchzähne aufzufressen und Platz für die nachfolgenden Beißwerkzeuge zu schaffen. Das ist ganz normal und mit ca. 8 Monaten ist der Zahnwechsel abgeschlossen und die Schnuffelschnute hat ein vollständiges, 30 Zähne umfassendes Gebiss. 

Bei FORL werden die Zahnfresser-Zellen wieder reaktiviert und greifen den gesunden Zahnschmelz der neuen bleibenden Zähne an. Dabei ist das Zahnfleisch und die Mundschleimhaut entzündet und die Zahnhalsläsionen, also Schädigungen, sind häufig unter Zahnfleischwucherungen nicht zu erkennen. Erst in der Röntgenaufnahme sind sie dann sichtbar.

FORL ist dabei keineswegs selten denn insgesamt jede dritte, und bei Katzen ab 5 Jahren ist sogar jede zweite von dieser schrecklichen Krankheit betroffen. Warum sie so schrecklich ist erklären wir noch.

Welche Ursachen hat FORL?

Die Ursachen dieser Autoimmunerkrankung, denn körpereigene Zellen greifen den eigenen Körper an, ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Selbst in der freien Wildbahn ist FORL bei Großkatzen verbreitet und hat überhaupt nichts mit industriellem Katzenfutter zu tun. Diese Behauptung gehört zu den Großstadtlegenden.

Vielmehr sprechen neue Erkenntnisse dafür, dass ein Ungleichgewicht von D3 Vitamin und Magnesium FORL begünstigen kann. Auch Entzündungsprozesse, das Alter, Zahnformen und -strukturen oder aber die Futterbeschaffenheit können verschiedenen Theorien zufolge als Ursachen in Frage kommen.

Woran erkenne ich FORL?

Unsere Samtpfoten sind wahre Meister darin Schmerzen zu verbergen. Nicht selten verläuft FORL augenscheinlich symptomlos und die Dosenöffner erkennen erst nach der Entfernung der befallenen Zähne wie ihr Katze auflebt. Dennoch können verschiedene Symptome bzw. Anzeichen auftreten:

  • Futtersortenwechsel, von Nass zu Trockenfutter und umgekehrt. Wobei häufig Trockenfutter bevorzugt wird, da es im Ganzen geschluckt werden kann und nicht an den Zähnen haftet
  • Schmerzlaute oder auch Knurren und Fachen beim Fressen
  • Verminderte Futteraufnahme und damit verbundener Gewichtsverlust
  • Vermehrtes Speicheln
  •  Zähneknirschen
  • Mundgeruch, ein ganz wichtiges Zeichen
  • Übermäßige Zungenbewegungen
  • Einseitiges Kauen
  • Anfassen am Kopf wird als unangenehm empfunden
  • Erbrechen von unverdautem Futter, weil es im Ganzen verschluckt wurde, denn die Samtpfote frisst nach dem Motto „Augen zu und durch“

Eine ungehinderte Futteraufnahme ist kein Beweis für Schmerzlosigkeit eurer Samtpfoten. Selbst scheinbar tadellos Gebisse können unter dem Zahnfleischrand und für das Auge unsichtbar, schwerste Schäden im Zahnhals- und Wurzelbereich aufweisen.

Daher ist eine Diagnostik, also Röntgen, am besten bei einer regelmäßigen jährlichen Standarduntersuchung bei einem Fachtierarzt für Zahnheilkunde anzuraten. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Emin Jasarevic vom Kanal Tierisch Gesund bedanken für den Hinweis zum Fachtierarzt. Emin ist selbst Tierarzt und gibt auf seinem wirklich informativen Kanal praxistaugliche Tipps für Fellnasenhalter. Schaut doch mal rein und hinterlasst einen Kommentar.

Warum ist FORL so schrecklich?

FORL ist außerordentlich schmerzhaft, denn die Zahnfresser-Zellen verrichten ihr zerstörerisches Werk an der Zahnsubstanz bei voll ausgebildeter Wurzel inklusive der Nerven. Wahrscheinlich ist es das schmerzhafteste chronische Leiden bei Katzen überhaupt.

Der Leidensdruck bei betroffenen Fellnasen ist so extrem, dass sie meist Folgeerkrankungen wie chronische Stress-Gastritis mit häufigem Erbrechen, chronische Darmentzündungen (Reizdarm) mit Durchfall, Hautprobleme wie psychogene Leckalopezie (also übersteigerter Putztrieb) und psychische Veränderungen wie Depression und gesteigerte Aggressivität zeigen.

Was kann getan werden?

Das Ziel ist auf jeden Fall eine schmerzfreie Mundhöhle. Aus diesem Grund müssen alle Zähne raus. Das ist derzeit das einzige wirklich wirksame Mittel, um den Feliden dauerhaft ein beschwerdefreies Leben zu garantieren. Bei FORL ist das aber schwieriger als bei nicht betroffenen Katzen, denn die Erkrankung führt zu einem Verwachsen der Zahnwurzel mit dem umliegenden Knochen.

Daher verbleiben häufig die unteren Fangzähne um den Kiefer beim Zähne entfernen nicht unnötig zu schwächen. Die Fellnasen haben mit den fehlenden Zähnen keine Probleme. Ganz im Gegenteil, sie blühen regelrecht nach der Zahnentnahme auf, da sie endlich wieder schmerzfrei sind. Sie kauen außerdem „auf der Felge“ weiter. Das bedeutet sie entwickeln Verhärtungen auf dem Zahnfleisch mit denen sie Nass und Trockenfutter vertilgen können.

Also die komplette Zahnlosigkeit stellt für die Fellgourmets keine Einschränkung dar und sichert im Gegenteil bei FORL ein lebenswertes Katzenleben.

Fazit

Das Wichtigste zum Schluss. Macht bitte nicht den gleichen Fehler wie wir. Schaut bitte ganz aufmerksam bei euren Fellnasen hin und achtet auch auf Kleinigkeiten. Nehmt Warnzeichen wie schlechten Atem und verstärktes Schmatzen ernst. Und ganz wichtig, lasst eure Fellkinder von einer spezialisierten Tierarzt Praxis untersuchen. Eine die auch über die notwendigen technischen Geräte wie eine Dentalröntgeneinrichtung verfügt.

Eine sichere Diagnostik im Anfangsstadium von FORL ist nur über Einzelzahnröntgenaufnahmen möglich. Und eine komplette Abhilfe ist nur durch das restlose Entfernen ALLER Zähne möglich. Das steigert zwar im ersten Moment  die Kosten, aber ihr und vor allem eure Katze habt Ruhe. Zu den schlimmen Folgeerkrankungen wie in unserem Fall kommt es erst gar nicht. Der Fellnase bleibt viel, sehr viel Leid erspart.

Was haltet ihr von FORL, kanntet ihr es bereits? Schreibts doch mal in die Kommentare und vor allem teilt das Video um so viele Dosenöffner wie möglich über FORL aufzuklären.

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Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/FORL

https://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=19730

https://haustiger.info/zahnwechsel-bei-katzen-vom-milchgebiss-zu-den-bleibenden-zahnen/

https://haustiger.info/forl-bei-katzen/

https://de.wikipedia.org/wiki/Psychogene_Leckalopezie_der_Katze