Pica Syndrom – Therapieerfolg

Submitted by Sebastian on Sun, 09/13/2020 - 16:00
Pica Syndrom – Therapieerfolg

Heute stellen wir euch einen Fall aus der Praxis vor. Kater Marlow schien noch vor einem Jahr ein hoffnungsloser Kandidat zu sein. Doch sein Zweibeiner schilderte mir detailliert sein Verhalten und die Lebensumstände, und so kamen wir gemeinsam der Ursache auf die Spur.

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Der Fall

Ronald schrieb uns so ziemlich genau vor einem Jahr. Er hatte zwei Europäisch-Kurzhaar-Kater aus dem Tierschutz bei sich aufgenommen. Beim jüngeren Kater Marlow wurde alsbald von seiner Tierärztin das PICA-Syndrom diagnostiziert. Ronalds Kleidung, Möbel und andere Gegenstände wurden angeknabbert und teils verspeist. Die Ratschläge, die er bis dahin bekam, reichten vom Verstecken der angeknabberten Gegenstände, dem Verabreichen von CBD-Öl zur Lösung der Nervosität über Feliway Stecker zum Dämpfen der Aufregung bis hin zum Einsperren, wenn er nicht da ist. Der arme Marlow. Zum Glück wandte sich Ronald an mich und schilderte penibel die Lebensumstände. Das ist wichtig, denn die Ursachenermittlung ist essenziell für einen erfolgreichen Therapieplan.

Die Ermittlung

Als Ursache vermutete Marlows Zweibeiner eine zu starke Bindung und Verlustängste, die der junge Kater nicht anders zu kompensieren wusste als durch die Ersatzhandlung, Unverdauliches, das nach dem innig geliebten Herrchen duftet, zu verspeisen. Als Indiz dafür wurde das klettenartige Verhalten und überall hin Folgen gedeutet. Die Reduktion der Aufmerksamkeit Marlow gegenüber und ein schrittweises Gewöhnen an die nicht ständige Verfügbarkeit des Katzenhüters sollten Abhilfe schaffen. Doch glücklicherweise erhielt ich seine Mail, bevor er sein Vorhaben in die Tat umsetzen konnte.

Der Therapieplan

Das Verhalten Marlows deutete aufgrund der Beschreibung auf eine Unterforderung hin. Der junge Kater, ein energiegeladenes Fellbündel, verfolgte seinen Zweibeiner auf Schritt und Tritt, um auch ja nichts zu verpassen. Es könnte ja etwas Spannendes passieren. Da sein Tag in seinen Katzenaugen noch nicht ausgefüllt war und er voller Energie steckte, half ihm das Knabbern an Gegenständen, seinen seelischen Stress abzubauen. Das ist vielleicht im weitesten Sinne vergleichbar mit gedankenverlorenem Fingernägelkauen bei uns Menschen, wenn wir stark gestresst sind. Ihm noch weitere Aufmerksamkeit und damit die Chance diesen Stress abzubauen zu entziehen, hätte doch Situation sehr wahrscheinlich noch verschlimmert. Also verfolgten wir im Therapieplan einen völlig anderen Ansatz. Marlow muss beschäftigt und ausgepowert werden. Regelmäßige Spielsessions. Es sollte kein zu strenger Zeitplan verfolgt werden, um auch hier keinen „Spielstress“ zu etablieren. Verschiedene Beobachtungs- und Spielplätze auf allen verfügbaren Ebenen sollten geschaffen werden. Auch auf Regalen und Schränken und in Fensterbänken. Außerdem Versteckmöglichkeiten, damit sich die Kater aus dem Weg gehen können. Regelmäßige Forderung aller Sinnesreize durch Duftgegenstände von draußen. Spielstationen und Fummelboxen in allen Räumen. Feliway und CBD-Kekse ergänzend bei Bedarf. Der Plan war weit umfangreicher, aber die ausführliche Beschreibung würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Das Ergebnis

Vor gut einem dreiviertel Jahr gab es einen kurzen Zwischenstand. Es wurde gefühlt erst besser, dann wieder schlechter. Eine zweite kurze Beratung folgte. Die Strategie blieb bestehen, Marlow einen abwechslungsreichen und auf allen Ebenen ausfüllenden Tag zu bieten. …..
Vor einer Woche kam eine erneute Mail von Ronald. Weder Sorgenkind Marlow noch pelziger Mitbewohner, Kater Simon, haben seit langer Zeit etwas Unverdauliches angeknabbert. Marlow und Simon machen mittlerweile an Leinen Ausflüge auf die Terrasse. Dank der Ausdauer und Konsequenz von Ronald, der sich aufgrund meiner Hinweise eingehend mit seinen Fellnasen beschäftigt, ist die einstige Langeweile genauso verflogen wie das Pica-Syndrom. Das sind wirklich tolle Neuigkeiten und wir freuen uns riesig über dieses Happy End. Danke an Ronald, dass er mir die Freigabe erteilt hat, seinen Fall mit den entsprechenden Emails zu dokumentieren.

Fazit

Der Fall von Marlow zeigt ganz deutlich, dass eine vorherige Abklärung, ob es sich tatsächlich um das Pica-Syndrom handelt, sehr wichtig ist. Erst nachdem die Tierärztin organische Ursachen ausgeschlossen hatte, konnte eine Therapie, die auf Stressabbau abzielte, Erfolg haben. An dieser Stelle von uns der Appell an euch, bitte lasst eure Schnurrnasen erst von eurem Tierarzt gründlich durchchecken. Außerdem solltet ihr auch bei bestätigtem Pica-Syndrom keine Eigentherapie versuchen. Setzt euch bitte mit erfahrenen Tierpsychologen in Verbindung und erarbeitet gemeinsam einen Therapieplan. Nur so ist ein langfristiger Therapieerfolg realistisch und falsche Maßnahmen vermeidbar.

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Pica-Syndrom Therapieerfolg

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PS:

Danke an Ronald, Marlow und Simon