KILLER auf 4 Pfoten

Submitted by Sebastian on Sun, 05/03/2020 - 15:15
KILLER auf 4 Pfoten

Idee Eva Maria.

Sie möchte wissen ob die einheimische Vogelwelt tatsächlich so massiv unter den Samtpfoten leidet wie es teils in den Medien und im Internet verbreitet wird.

Am 12. Dezember 2013 erschien im Nature Magazin eine Studie zum Thema des Einflusses wildlebender Hauskatzen auf die Tierwelt in den USA. Die in dieser Studie veröffentlichten erschreckenden Zahlen wurden in kontroverser Weise in den Medien diskutiert. Unsere beliebten Haustiere sind eiskalte Killer und erlegen kleine Säugetiere und Vögel in gigantischen Größenordnungen.

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*Grundausstattung für Katzen
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So ist in der Studie von renommierten Biologen des Smithsonian Conservation Biology Institutes in Washington die Rede davon, dass Katzen jedes Jahr zwischen 1,4 und 3,7 Milliarden Vögel sowie zwischen 6,9 und 20,7 Milliarden kleine Säugetiere töten.
Doch wie sind diese Zahlen tatsächlich zu verstehen und trifft dies auch hier in Deutschland zu?

US-Studie nicht unumstritten

Bis zu 200 Millionen Singvögel sollen deutschlandweit jedes Jahr den lautlosen Jägern zum Opfer fallen. Der NABU Vogelexperte Lars Lachmann räumt mit den pauschalen Vorurteilen auf und relativiert die Aussagen der nicht unumstrittenen US-Studie. Er hält diese nur als absolute Zahlen erhobenen Werte für zu hoch.

Bei ca. 400 Millionen Vogelindividuen nach der Brutzeit müssten Katzen in Deutschland die Hälfte töten und in den Siedlungsräumen wo die meisten Katzen leben, müssten sie Alle Vögel erjagen. Für wissenschaftlich belastbare Zahlen hätten in der Studie Vogelbestandszahlen, Reproduktionsraten und Todesursachen eingeschlossen und ein Populationsmodell entwickelt werden müssen. Dies ist aber nicht geschehen. Also bleibts beim kuscheligen und harmlosen Seidentiger?

Nicht direkt. Problematisch ist die Situation dennoch, denn in Siedlungsbereichen, in denen die Katzendichte höher ist, gibt es weniger Vögel in den Gärten als es ohne Katzen der Fall wäre. Doch nicht allein unsere Feliden sind am generellen Rückgang der Vogelbestände schuld. Die Verschlechterung der Lebensräume ist und bleibt die größte Bedrohung der Artenvielfalt und auch der Vogelbestände.

Schuld hat der Mensch - doch es gibt Abhilfe

Und Hauptverursacher dieses Umstandes ist der Mensch. Durch sein Zutun verändert sich nicht nur die Umwelt und trägt zu schlechteren Lebensbedingungen, auch der Vogelwelt, in Agrarlandschaften und Wäldern bei, sondern auch das Verwildern und die teils unkontrollierte Vermehrung von Hauskatzen stellen wesentliche Faktoren zur Verschärfung der Situation dar. Doch was kann getan werden?

Lachmann hält ein umfassendes Kastrations- bzw. Sterilisationsprogramm verwilderter Hauskatzen mit entsprechender Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigänger für sinnvoll. Und dem schließe ich mich uneingeschränkt an. Hier ist das Modell der Stadt Paderborn ein Signal in die richtige Richtung mit dem Paderborner Modell.

Hierbei wurde mit einer entsprechenden Kommunalverordnung eine Handlungsgrundlage geschaffen mit deren Hilfe die Zahl der verwilderten Katzen eingedämmt werden konnte ohne eine einzige Katze töten zu müssen. Davon profitiert zuerst die Katze an sich, da es weniger verwilderte Katzen, weniger Tierleid gibt, da Dank der Kastration keine ungehinderte Vermehrung mehr stattfindet.

Und auf der anderen Seite profitiert die Vogel- und restliche Tierwelt ebenfalls davon. Über die Kastrationskosten und eine entsprechende Kennzeichnungspflicht tragen die Halter effektiv und gezielt zur Problemlösung bei und eine Katzensteuer bleibt damit komplett entbehrlich. Mehr zum Paderborner Modell gibt’s in einer späteren Folge.

Fazit

Neben der Kastration kann aber jeder Freigängerhalter durch kleine Maßnahmen zur Schonung der Vogelbestände beitragen. Dazu zählt unter anderem den Freigängern zwischen Mitte Mai bis Mitte Juli in den frühen Morgenstunden keinen Freigang zu gewähren. Damit werden gerade flügge gewordene Jungvögel geschützt die in dieser Zeit verstärkt unterwegs sind.

Katzenabweisende Manschettenringe um den Stamm eines Baumes in dem Vögel brüten ebenfalls. Und ein sehr probates Mittel den Jagdtrieb der kleinen Samtpfoten abzubauen ist mit ihnen zu Spielen. Also liebe Katzenhalter, spielt mit euren Fellnasen jeden Tag und lastet sie aus. Dann ist der Jagdtrieb gestillt und die Vögel weit weniger interessant. Außerdem freut sich eure flauschige Rasselband über ausgiebiges Spielen mit ihrem Dosenöffner.

Was haltet ihr von der Problematik? Würdet ihr eure Katzen kastrieren oder registrieren um die einheimische Tierwelt zu schützen? Schreibts doch mal in die Kommentare. 

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Quellen:

https://www.nature.com/articles/ncomms2380

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/gefaehrdungen/katzen/15537.html

https://globalmagazin.com/themen/natur/die-hauskatze-ein-killer-auf-samtpfoten/

https://www.spektrum.de/wissen/schaden-katzen-unserer-vogelwelt/1356773