DAS PADERBORNER MODELL

Submitted by Sebastian on Sun, 05/03/2020 - 15:25
PADERBORNER MODELL | Kastrations- und Kennzeichnungspflicht

Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen? Das sogenannte Paderborner Modell. Kann ich gesetzlich verpflichtet werden meine Katzen zu registrieren und zu kastrieren? Müssen Katzenhalter dann zwangsläufig eine Katzensteuer zahlen? Wo gilt das Paderborner Modell und bin ich auch betroffen? All diese Fragen klären wir.

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*Grundausstattung für Katzen
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Entstehung des Paderborner Modells

Im Jahr 2007 sind die Zustände im Stadtgebiet von Paderborn für freilaufende Katzen sehr schlecht. Es gibt viele ausgesetzte, herrenlose und verwilderte Tiere. Sie vermehren sich unkontrolliert und die Zahl der Krankheitsfälle steigt. Selbst der Tierschutzverein „Tiere in Not e.V.“ muss aufgrund von Kapazitätsauslastungen ein Aufnahmestopp für Katzen anordnen.

Da sich die Populationsdichte von wildlebenden Katzen nicht auf natürliche Weise reguliert grassieren Krankheiten und es bestehen dadurch gesundheitliche Gefahren für Menschen und Haustiere, die moralische und hygienische Belästigung der Bevölkerung (so im Amtsdeutsch), also durch sterbende und tote Tiere wächst, die Dezimierung freilebender und bestandsbedrohter Tiere ist zu verzeichnen und nicht zuletzt die Qual der verletzen und kranken Katzen stellen einen Verstoß gegen §1 des Tierschutzgesetzes dar.

Die bisherigen Kastrationsmaßnahmen an herrenlosen Feliden der örtlichen Tierschutzvereine stellten sich als nicht geeignet heraus. Daher wurde die Stadtverwaltung tätig und erließ 2008 eine ordnungsbehördliche Verordnung.

Was regelt das Paderborner Modell

Nach §5 dieser Verordnung haben Katzenhalter*innen, die ihrer Katze Zugang ins Freie gewähren diese zuvor kastrieren und mittels Tätowierung bzw. Chip kennzeichnen zu lassen, also sich auf die Katze registrieren für eine zweifelsfreie Zuordnung, außer die Katze ist noch unter 5 Monate alt oder man möchte Züchten bzw. hat einen Landwirtschaftsbetrieb, dann kann man eine Ausnahmegenehmigung bekommen.

Und Katzenhalter nach dieser Verordnung ist man ebenfalls wenn man freilaufenden Katzen regelmäßig Futter zur Verfügung stellt. Bei Gehegehaltung bzw. reiner Wohnungshaltung ist man von der Verpflichtung befreit.

Die Ergebnisse des Paderborner Modells

Die Auswirkungen dieser Maßnahmen sind spürbar. Eine unkontrollierte und unentdeckte Paarung von Freigängern und Streunern und damit die weitere, ungehemmte Vermehrung von Katzen in freier Wildbahn wird damit unmöglich. Die Zustände bessern sich und Katzen müssen nicht mehr von ortsansässigen Jägern geschossen werden. Gefangene Tiere kommen dank Kennzeichnung und Registrierung zum Halter zurück.

Tierheime können wieder Katzen aufnehmen und Krankheiten und Tierleid wird endlich Einhalt geboten. Solch drastische und umstrittene Maßnahmen wie die massenhafte Vergiftung und Erschießung freilaufender Katzen wie sie die australische Regierung im April 2019 anordnete, werden durch das Paderborner Modell vermieden.

Paderborner Modell = Katzensteuer?

Wird mit der Verpflichtung der Kennzeichnung dann auch automatisch die Katzensteuer fällig? Die Eintreibung von Steuern ist mit immensen Aufwänden verbunden. Und die Kosten für die Verwaltung wären im Gegensatz des geringen zu erwartenden Ertrages nicht gerechtfertigt. Zu Deutsch, es würde sich nicht lohnen eine Katzensteuer zu erheben. So zumindest die Forderung der Kommunen in Nordrhein-Westphalen 2017. Eine Katzensteuer ist eher unwahrscheinlich.

Bin ich betroffen und kann ich zur Kastration und Kennzeichnung meiner Fellnase verpflichtet werden? Im Kreis Paderborn ja. Im September 2017 wagten gerade einmal 560 von insgesamt 11.000 Kommunen deutschlandweit eine Verordnung nach dem Paderborner Modell zu erlassen. Ob ihr betroffen seid oder nicht erfahrt ihr auf der Seite vom Kommunalwiki  bzw. bei eurer Gemeinde. Ruft einfach dort an und fragt nach oder geht auf die jeweilige Internetseite.

Verstoßen die Kastration und Kennzeichnung nicht gegen das Tierschutzgesetz? Ganz im Gegenteil, sie stehen vielmehr mit den tierschutzrechtlichen Forderungen im Einklang. Der Paderborner Tierschutzverein, verschiedene Tierschutzverbände, Tierärzte des Kreises Paderborn als auch die Bundestierärztekammer befürworten und fordern die bundesweite Regelung nach dem Paderborner Modell.

Fazit

Es gibt also tatsächlich eine einfache Möglichkeit dem Katzenleid in Deutschland Einhalt zu gebieten. Daher mein Apell an euch. Wartet nicht erst darauf, dass ihr per Verwaltungsverordnung zur Kastration und Kennzeichnung eurer Fellnasen verpflichtet werdet. Erspart den Streunern draußen viel Leid und lasst eure Freigänger zeitnah zumindest kastrieren. Wir haben hierzu ein Video gemacht.

Was haltet ihr von der Kastrations- und Kennzeichnungsverpflichtung für Halter von Freigängern? Schreibts mir bitte in die Kommentare. Wir sind schon gespannt auf eure Meinungen.

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Kastration, Teil 76
https://youtu.be/lbVx6KkmTv4

Stadt Paderborn ordnungsbehördliche Verfügung:
https://www.paderborn.de/vv/produkte/Ordnungsamt/109010100000061722.php

Katzen erschießen Spiegel:
http://www.spiegel.de/panorama/jaeger-erschiessen-katzen-fuer-den-artenschutz-a-1165111.html

Australien vergiftet Millionen Katzen:
https://www.bazonline.ch/panorama/vermischtes/australien-laesst-millionen-katzen-toeten/story/30704025

https://www.tierschutzunion.org/tierschutz-allgemein/paderborner-modell/

welche Kommunen haben das Paderborner Modell
http://kommunalwiki.boell.de/index.php/Kennzeichnungs-_und_Kastrationspflicht_f%C3%BCr_Katzen#cite_note-14

Katzensteuer:
https://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/paderborn/21556264_Kastrationspflicht-statt-Katzensteuer-Paderborner-Modell-gilt-als-Vorbild.html

Sachsen-Anhalt
https://www.welt.de/vermischtes/article166783272/Sachsen-Anhalt-bereitet-Kastrationspflicht-fuer-Katzen-vor.html