TRENNUNGSANGST | Hat deine Katze Angst ohne dich?

Submitted by Sebastian on Sun, 06/21/2020 - 16:00
TRENNUNGSANGST | Hat deine Katze Angst ohne dich?

Haben Katzen eigentlich die gleiche Trennungsangst wie Hunde, wenn ihre Hüter bspw. zur Arbeit gehen? Eine aktuelle Untersuchung aus Brasilien gibt interessante Antworten. Habt ihr Fragen, Ideen oder tolle Katzenaufnahmen für eine der neuen Folgen, dann schreibt uns. Oben auf dieser Seite oder unter Impressum findet ihr alle Kontaktinfos.

Dank Petra vom CatCrazy Channel, schaut unbedingt auf ihrem Kanal rein, erreichte uns eine sehr interessante Frage. Durch die immerwährenden Infos von unserem Freund Professor Yair Schiftan haben wir auch das passende wissenschaftliche Material dazu. Danke Yair. Haben Katzen auch Trennungsängste wie sie beispielsweise von Hunden bekannt sind? Da in den letzten Jahren ein Umdenken stattfand und sich der Zweibeiner nun auch verstärkt mit der Psyche der Katze auseinandersetzt, wurde dieser Umstand tatsächlich untersucht. Mit ganz erstaunlichen Ergebnissen.

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Trennungsangst wissenschaftlich untersucht

Auf der Fachplattform für wissenschaftliche Publikationen, PLOS ONE, wurde im April diesen Jahres ein sehr interessanter Artikel zum Thema Trennungsangst bei Katzen veröffentlicht. Demnach zeigt mehr als 1 von 10 Katzen Verhaltensweisen, die auf trennungsbedingte Ängste hinweisen. Das Bild der Katze, die mit Einsamkeit problemlos klarkommt, bröckelt dadurch immer mehr.

Eine von zehn Katzen, dass klingt nicht viel, ist aber vergleichbar mit der Häufigkeit des Auftretens von Verhaltensweisen bei Hunden, die unter Trennungsangst leiden. Doch bei Hunden treten noch zusätzliche verhaltensbedingte Probleme auf, weshalb dieser Umstand bei Katzen bisher noch keine so große Beachtung fand.

Bei Hunden gut untersucht, bei Katzen wenig

Im Gegensatz zur Trennungsangst bei Katzen ist sie bei Hunden gut erforscht und häufiges Einsatzgebiet von Verhaltensforschern, Tiertrainern und Tierärzten. Die Frage, ob Katzen sich wohl fühlen, wenn sie vom menschlichen Begleiter getrennt sind, wurde bisher kaum untersucht. Doch nun findet glücklicherweise ein Umdenken statt und Forscher widmen sich nun auch dem Wohlergehen und den Gewohnheiten von Katzen.

Daiana de Souza Machado und ihre Kollegen aus der Federal University of Juiz de Fora wollten ein besseres Verständnis von Trennungsproblemen bei Hauskatzen erreichen. Dabei stützten sie ihre Untersuchungen auf zwei Forschungsarbeiten, die vermuten ließen, dass es auch bei Hauskatzen Trennungsängste gibt. Nun befragten die Forscher Haustierbesitzer in Brasilien, ob sie Verhaltensprobleme festgestellt hatten. Zusätzlich wurden demografische Daten, um welche Haltungsform es sich handelt, welche Unterhaltungsangebote die Katzen hatten und weitere Faktoren erfragt.

Dabei stellte sich heraus, dass 13 % der Fellnasen mindestens eine Verhaltensweise zeigten, die typisch für trennungsbedingte Probleme ist. Beispielsweise sind das extreme Vokalisieren, also lautes und andauerndes Miauen, das sich bis zur Heiserkeit steigern kann, Urinieren an ungeeigneten Orten, Melancholie bzw. Apathie, Aggressivität, Aufregung oder Angst und Kotabsatz an ungeeigneten Orten.

Die Katze-Mensch-Beziehung auf dem Prüfstand

Dieses Konzept, das Katzen sich wirklich verzweifelt fühlen können, wenn sie vom geliebten Zweibeiner getrennt werden, deutet auf ein allmähliches Überdenken der Mensch-Katzen-Beziehung hin. Katzen können eine starke Bindung zu ihrem Menschen aufbauen und tun dies auch. Zumindest in einigen Fällen. Sie zeigen typisches Bindungsverhalten, indem sie die Nähe ihrer Bezugsperson suchen, liebevolles Verhalten zeigen und Begrüßungsrituale durchführen. Außerdem sind sie in der Umgebung ihrer Menschen gelöster, spielen mehr, sind neugieriger. Sie fühlen sich wohl und geschützt.

Diese Erkenntnisse legen den Schluss nahe, dass Schnurrnasen mit starker Bindung sich wirklich elend fühlen, wenn der geliebte zweibeinige Partner nicht da ist. Durch die analoge Anwendung der Untersuchungsergebnisse bei Hunden weiß man, dass Katzen, die unter der Trennung leiden eine übersteigerte Wiedersehensfreude zeigen, wenn ihr Zweibeiner zurückkehrt.

Bei der Auswertung der Befragung wurde klar, dass viele Faktoren im Umfeld der Halter die trennungsbedingten Ängste der Fellkinder beeinflussen. Dabei sind nicht nur direkte Merkmale wie Alter und Rasse ausschlaggebend oder auch die Umgebung des Hauses bzw. die Ausgestaltung der Wohnung, sondern auch die Haltung und Pflege der Schnurrnasen.

Diese Faktoren erhöhen die Trennungsangst bei Katzen:

  • kein Zugang zu Spielzeug
  • kein Zugang zum gesamten Haus bzw. zur Wohnung
  • kein Zugang von außen zum Haus bzw. zur Wohnung
  • keine anderen Tiere im Haus als Gesellschaft vorhanden
  • an mehr als 6 Stunden pro Tag an 5 Tagen in der Woche allein

Reizvolle Umgebung schafft Abhilfe

Fellnasen, bei denen diese Faktoren vorhanden waren und deren Umgebung reizvoll ausgestaltet war, zeigten eine geringere Anfälligkeit für trennungsbedingte Probleme. Eine reizvolle Umgebung und allgemeines Wohlbefinden gehen dabei Hand in Hand und erlauben den Schnurrnasen, besser mit dem Stress des Alleinseins umzugehen.

Die Untersuchung hat aber auch ihre Schwachpunkte. So verließ man sich ausschließlich auf die Schilderungen der befragten Katzenhalter und setzte voraus, dass sie die Gewohnheiten ihrer Fellkinder genau beobachteten und akribisch und immer korrekt berichteten. Abgesehen davon zeichnen diese Erkenntnisse ein neues Bild vom Zusammenleben Mensch und Salonlöwe und sind dadurch besonders wertvoll, trotz der kleinen Schwächen.

Fazit

Katzen leiden tatsächlich unter der Trennung von ihren Zweibeinern. Ich finde es gut, dass in den letzten Jahren ein Umdenkprozess stattgefunden hat, der das Bild der Katze, die problemlos allein und auf sich gestellt gehalten werden kann, aufbricht. Daher an dieser Stelle mein Apell an euch, bitte keine Einzelhaltung und sperrt eure Katzen nicht aus.

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Quelle:
https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0230999 (16.06.2020)